Alte und neue Exportmärkte plus ständige steigende Produktionskosten

Die am meisten erwarteten Nachrichten finden sich diese Woche sicherlich im OIV Bericht „The state of the wine world“, was aber separat handelt wird. Natürlich ist das aber nicht alles was in der Wein Welt passiert ist und deswegen sind hier wie üblich weitere, nicht weniger wichtige Nachrichten im JollyCellarMaster Weekly:

 

Auf der Suche nach Neuen Freunden und Möglichkeiten

Aller guten Dinge sind drei?

Eine immer gern genommene Redewendung, aber steckt darin auch die Lösung für australischen Wein und sein chinesisches Problem, wenn man es so nennen mag? Wenn es um Australien geht, muss man immer im Sinn behalten, dass es einen Großteil seiner Produktion exportiert. Die ungefähre Zahl liegt bei etwa 60 % und noch vor wenigen Jahren ging fast 40 % davon nach China. Dann beschloss China, Zölle zwischen 116 % und 218 % für Weine aus Down Under für die nächsten fünf Jahre festzusetzen, als ein Handelsstreit zwischen den beiden Ländern eskalierte.

China hatte eine Untersuchung eingeleitet und in einem anschließenden Urteil festgestellt, dass „bei importiertem australischen Wein Dumping und Subventionen stattgefunden haben, die der chinesischen Weinindustrie erheblichen Schaden zugefügt haben“, was zu den Maßnahmen führte. Andere sehen es als Antwort auf Aussagen des australischen Premierminister, der eine internationale Untersuchung der Ursprünge des Coronavirus gefordert hatte. Internationale Diplomatie also.

Das war so ziemlich das Ende australischer Ausfuhren ins Reich der Mitte.

Australien ist aber pragmatisch und machte sich sogleich auf die Suche nach einem neuen Zuhause für seinen Wein. Dazu wurde letztes Jahr ein Handelsabkommen mit Großbritannien geschlossen, aber da es bereits ein ziemlich gesättigter Markt ist, kann es natürlich nicht so viel abdecken wie nötig wäre, um den Ausfall zu kompensieren.

Deshalb war die Nachricht, dass Australien ein Abkommen mit Indien geschlossen hatte, Balsam auf die Wunden der australischen Weinindustrie. In einer Erklärung sagte Rachel Triggs, General Manager Corporate Affairs and Regulation von Wine Australia dazu, dass „der Verkauf und Konsum von australischem Wein in Indien Wachstumspotenzial hat, wobei Australien bereits den größten Anteil am Markt für importierte Weine hat. Insbesondere wird die AI ECTA Indien zu einem praktikableren Angebot für kleine und mittlere Winzer machen, die bisher nicht in Betracht gezogen haben, in diesen Markt einzutreten.“

Der australische Optimismus mag zwar bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt sein. Fraglich ist aber dennoch, ob Indien den enorm wichtigen chinesischen Markt ersetzen kann, wenn man sich die Nummern anschaut:

Wine Australia gibt an, dass die australischen Weinexporte nach Indien in den 12 Monaten bis Ende Dezember 2021 wertmäßig um 81 Prozent auf 12 Millionen US-Dollar gestiegen sind – ein Rekordwert der australischen Weinexporte nach Indien. Auch das Volumen stieg um 71 Prozent auf 2,5 Millionen Liter, davon waren 74 Prozent Rotwein.

Grundsätzlich sind das gute Nachrichten, müssen aber dennoch relativiert werden: Im Jahr 2019 wurde China Australiens erster Weinmarkt mit einem Wert von mehr als 1 Mrd. AUD (733 Mio. USD) pro Jahr. Verglichen mit den 12 Millionen Dollar in Indien ist das dann doch ein ziemlicher Unterschied. Trotzdem ist es ein Anfang und selbstverständlich ist auch ein kleiner Beitrag ein willkommenes Geschenk für den leidgeprüften australischen Winzer.

 

China und das große Ganze

Apropos China, Australien hat aus den eben beschriebenen Gründen vermutlich den größten Rückgang der Exporte in letzter Zeit erlebt, ist aber in seiner Sorge um chinesischen Absatzmarkt nicht allein. Bei genauerer Betrachtung und Handelskriege beiseite lassend, scheinen die Zeiten, in denen China die Lösung für alle großen Weinbauländer war, zumindest vorerst vorüber zu sein.

Die neuesten auf Vino-Joy veröffentlichten Daten, die auf Informationen des chinesischen Zolls basieren, zeigen den kontinuierlichen Rückgang der chinesischen Weinimporte, da die vom Land mit 52 Millionen Weintrinkern aufrechterhaltene „Null-Covid-Politik“ die Nachfrage weiterhin belastet. Von Januar bis März brachen die Weinimporte nach China im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 % auf 84,1 Millionen Liter ein. Wertmäßig fielen die Weinimporte um 21,1 % auf etwa 2,23 Milliarden RMB (344,5 Millionen US-Dollar).

Während dieser jüngste Rückgang von einem weiteren Covid-Ausbruch und des daraus resultierenden Lockdowns abhängen könnte, ergibt sich aus den offiziellen OIV-Zahlen ein Trend, der zeigt, dass die Einfuhren schon seit einiger Zeit rückläufig waren: 2017 erreichten sie mit 751 Millionen hl pro Jahr den Höhepunkt; dann gingen die Importe im Jahresvergleich zurück auf 687 Millionen hl im Jahr 2018 auf 621 Millionen hl im Jahr 2019 (als Australien die 1-Milliarden-AUD-Marke durchbrach) auf nur noch 430 Millionen hl im Jahr 2020.

Da es sich bei Letzteren nicht um offizielle Zahlen handelt, die im Allgemeinen nicht immer leicht zu bekommen sind, könnte auch dies durchaus mit Covid zusammenhängen. Dennoch ist der allgemeine Trend offensichtlich. Andererseits und als unverbesserlicher Optimist muss ich natürlich festhalten, dass, obwohl die Dinge vielleicht nicht mehr so gut sind wie noch vor ein paar Jahren, das immer noch eine ziemlich große Zahl ist, oder?

 

Alles wird teuerer

Die sinkenden Importe Chinas sind jedoch nicht der einzige Grund zur Sorge für den Weinsektor. Es gibt viele Gründe, die das Leben eines Winzers erschweren, und einige hängen offensichtlich zusammen: Covid, der Krieg in der Ukraine, Unterbrechungen der Lieferkette und Ressourcenmangel – alles summiert sich und das Ergebnis ist eine Erhöhung der Kosten, egal wo man sich befindet.

Das ist auch die Kernaussage einer Studie, die kürzlich auf der Vinitaly in Verona vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Stresstest: Italienischer Wein auf dem Wirtschaftstest“ zusammengestellt von Banco Bpm und Prometeia hat der Krieg in der Ukraine zu einer Abwärtsrevision von fast 3 Prozentpunkten im Zweijahreszeitraum 2022-2023 des weltweiten Wachstums geführt im Hinblick auf die Nachfrage nach Wein. Diese Prognosen beruhen nicht nur auf den verpassten Marktchancen in den beiden direkt am Konflikt beteiligten Ländern, sondern auch auf den daraus resultierenden allgemeinen Herausforderungen, die sich in steigenden Energiepreisen, Mangel an Düngemitteln und Verpackungen usw. zeigen.

Das mag ein wenig abstrakt klingen und schwer zu beziffern sein, aber genau das hat Coldiretti, der italienische Branchenverband für Landwirtschaft, in einer anderen Studie gemacht: demnach kostet eine Glasflasche mehr als 30 Prozent mehr als im Vorjahr, Korkverschlüsse sind um 20 Prozent, Verschlüsse aus anderen Materialien 40 Prozent teurer geworden, Etiketten und Verpackungskartons sind um 35 bzw. 45 Prozent gestiegen. Hinzu kommen die steigenden Kosten für Maschinen, Straßentransport, Container- und Seefracht. Dabei errechnete Coldiretti, dass die Kosten für italienischen Wein seit Ende Februar um 35 Prozent gestiegen sind, was letztendlich an die Verbraucher weitergegeben wird. Auweia!

 

 

Und damit wären wir am Ende für diese Woche angekommen, aber natürlich freue ich mich immer, von anderen interessanten Geschichten zu lesen, über Wein zu quatschen und zu hören, wer mein nächster Gast im Podcast sein sollte. Also einfach ein paar Zeilen schicken oder mich auf Twitterkontaktieren. Und wer gerne immer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich unbedingt für den JollyCellarMaster Newsletter anmelden.

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