Bordeaux Futures, bergige Weingärten und Krisen als Gelegenheit

Wenn man ganz ehrlich ist, hat die Weinbranche schon bessere Zeiten gesehen, auch wenn das noch gar nicht so lange her ist. Damit wir aber wieder in die glückliche Spur zurückkommen, gilt es, ein paar harte Nüsse zu knacken. Aber jeder Krise wohnen auch Gelegenheiten inne, auch wenn dies angesichts der russischen Invasion in der Ukraine, der anhaltenden Pandemie und der Auswirkungen der globalen Erderwärmung sich einem nicht direkt erschließt. Genau darum eght es aber diese Woche und natürlich noch viel mehr im neuesten JollyCellarMaster Weekly:

Weinberge in Luftigen Höhen, Preise im Bordeaux, sowie die richtige Antwort auf eine Krise

Auf, auf und davon? Von wegen!

Letztes Jahr ging es in einem Gespräch über die Auswirkungen der Erderwärmung, insbesondere über die Zukunft des Pinot Noir im alpinen Klima Südtirols. Die Region, die ich heute meine Heimat nenne, hat sicher das Potenzial, in größerer Höhe zu pflanzen, und das tut man dann auch. Aktuell sind wir auf einer Höhe von 1200 Metern über dem Meeresspiegel für den höchsten Weinberg angelangt. Allerdings stellte sich bei diesem Gespräch die Frage, ob das Problem für Blauburgunders, wie er hier heißt, damit wirklich gelöst werden kann. Während höhere Weinberge von kühleren Temperaturen tatsächlich profitieren können – der Unterschied pro hundert Meter liegt schließlich je nach Druck zwischen 0,6 und 0,9 Grad Celsius – führt dies mitunter auch zu einer kürzeren Reifezeit. Eine lange Reifezeit ist aber gerades das, von dem aber Pinot Noir stark abhängt, damit er seine typische Eleganz erreicht, die wir so sehr schätzen.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass sich die für den Weinbau am besten geeigneten Gebiete aufgrund des Klimawandels wahrscheinlich in höhere Lagen verlagern werden. Wie auf The DrinksBusiness veröffentlicht, lautet die Schlussfolgerung, dass Standorte, an denen der Weinbau durch kurze Vegetationsperioden oder niedrige Sommertemperaturen gekennzeichnet ist, unter zukünftigen Klimabedingungen voraussichtlich zunehmend wärmer werden, sodass eine größere Auswahl an Sorten zuverlässig angebaut werden kann.

Gleichzeitig könnten die Regionen, die aktuell Spitzenweine produzieren, aufgrund eines prognostizierten Temperaturanstiegs und einer geringeren Wasserverfügbarkeit erhebliche Qualitätseinbußen erleiden, folgt man den Prognosen der Wissenschaftler.

Es ist sehr interessanter Lesestoff, der zwar im Grunde nur viele der Ergebnisse bestätigt, die wir bereits kenne. Die wichtigste Botschaft, die wir daraus mitnehmen sollten, ist jedoch die Betonung darauf, dass es bald zu spät sein wird bzw. bereits ist. Nicht, dass wir das nicht schon einmal gehört hätten und unser Verhalten kaum geändert zu haben scheinen, aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen hölt den Stein, also könnten wir ihn irgendwann verstehen, sollte man glauben.

Das Neueste von Bordeaux Futures-Preisen

Jetzt ist sie also wieder da, diese wunderbare Zeit des Jahres. Nein, ich rede nicht von der Vorweihnachtszeit. Ich spreche von der Veröffentlichung der Bordeaux-Future-Preise. The Wine Spectator hat dem Thema eine Seite gewidmet, die laufend aktualisiert wird, indem Preise der verschieden Weingüter nach ihrer Veröffentlichung gelistet werden.

Das Ganze begann, als Château Pavie, Cheval-Blanc und Léoville Las Cases in der dritten Maiwoche ihre erste Tranche von 2021-Futures ankündigten. Seitdem kann man fast täglich darüber sinnieren, welches Weingut die Preise im Vergleich zur Vergangenheit erhöht oder gesenkt hat und ob diese Maßnahmen angebracht sind. 2021 war ein herausforderndes Jahr, um es möglichst neutral zu formulieren: kein einfacher Jahrgang, da starker Frost im Frühjahr die Erträge drastisch reduzierte. Pilzkrankheiten im Sommer machten es noch schlimmer, und zu all dem sieht man sich auch im Bordelais aufgrund des Krieges in der Ukraine und der anhaltenden Covid-Pandemie unsicheren wirtschaftlichen Zeiten gegenüber.

Der Artikel stellt die Daten der wichtigsten Chateaux zusammen, und obwohl diese Auflistung noch auf viele Preisankündigungen wartet, ist ein Vergleich mit früheren und bereits vorhandenen Informationen dennoch interessant und gibt einen ersten Eindruck. Für das vollständige Bild wird es aber dann doch noch etwas Geduld brauchen.

Glück im Unglück?

Naja, das wäre dann wirklich etwas übertrieben. Aber jede Krise ist auch eine Chance, sagt man ja, und das ist auch der Kern der Aussage eines Artikels, der letzte Woche vom Wine Searcher veröffentlicht wurde. Während wir ständig über die Pandemie, den Krieg in der Ukraine und die steigende Inflation sprechen, steht natürlich auch der Weinsektor wie die meisten Wirtschaftszweige unter nicht unerheblichem Druck. Und so beschreibt der Artikel richtigerweise das vergangene Jahr als Achterbahnfahrt: Positiv ist, dass der weltweite Weinverbrauch laut OIV-Statistiken im vergangenen Jahr mengenmäßig um 4 Prozent und wertmäßig um 16 Prozent auf 36,15 Milliarden US-Dollar gestiegen ist. Auf der anderen Seite stellen die oben genannten Faktoren aber eine ernsthafte Bedrohung des Status Quo dar. Die Frage stellt sich also, wie man damit umgeht.

Der wohl richtige Ansatz ist wohl, zu versuchen, positiv zu bleiben und zu diese Krise(n) als Chance zu sehen. Das schlägt auch der Autor des Artikels vor und gibt eine Reihe von Beispielen von Weingütern und ihrer jeweiligen Reaktion auf die entstandenen Herausforderungen. von der Verkürzung der Lieferkette, um sie besser in den Griff zu bekommen, bis hin zu Investitionen in Technologie, um nachhaltiger zu werden und dadurch die Produktionskosten zu senken, reichen die konkreten Ansätze und sind dort dann auch ausführlicher belegt.

Ob sich diese Maßnahmen auszahlen, wird sich wie immer erst im Laufe der Zeit zeigen. Ich bin immer aber dafür, aktiv zu sein, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und stattdessen zu hoffen, dass der Sturm vorbeizieht. Also, packen wir es an, oder?

So, damit wären wir auch schon am Ende für diese Woche angekommen, aber natürlich freue ich mich immer, von anderen interessanten Geschichten zu lesen, über Wein zu quatschen und zu hören, wer mein nächster Gast im Podcast sein sollte. Also einfach ein paar Zeilen schicken oder mich auf Twitter kontaktieren. Und wer gerne immer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich unbedingt für den JollyCellarMaster Newsletter anmelden.

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