Der Wert von Klassifizierungen, Weintrinken gegen Covid, und Rauchtöne

Wir befinden uns bereits in der zweiten Woche der jüngsten Quarantäne und nachdem die deutsche Version des JollyCellarMaster Weekly meinen Verpflichtungen zum Bauen verschiedener Lego-Konstruktionen zum Opfer gefallen ist, gibt es heute mal wieder einen Rundumblick über die Neuigkeiten in der Weinwelt, bevor ich mich wieder ins Kinderzimmer begebe:

 

 

Die Üblichen Verdächtigen und eine Gute Neuigkeit

 

Jetzt ist es offiziell

Letzte Woche sprachen wir in der englischen Ausgabe noch über die Spekulationen der Gerüchteküche, aber nun ist es offiziell, die ProWein wurde auf einen neuen Termin verschoben: 15. bis 17. Mai 2022. Hoffen wir, dass es bis dahin besser wird, aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Zahlen im Frühjahr so schlecht sein werden wie jetzt (aktuelle 7-Tage-Inzidenz in Bozen liegt bei 3.431 und das ist noch weniger als letzte Woche!), also gibt es zumindest Hoffnung, dass es dieses Jahr etwas wird mit meinem Besuch.

Während diese Verschiebung für die ProWein ausreichend sein sollte, frage ich mich, ob das auch für die in den nächsten Wochen geplanten Veranstaltungen gilt: Die Eröffnung der Vinexpo Wine Paris ist weiterhin für den 14. Februar geplant, die Anteprime di Toscana wurde bereits auf Ende März verschoben und die Grandi Langhe in den April, wo auch die Vinitaly stattfinden soll. Im Moment kann man nicht viel mehr machen, als Daumen drücken…

 

Sinnlose Klassifikationen?

Wir haben bereits festgestellt, dass die fortlaufende Saga von Skandalen unterschiedlichen Ausmaßes rund um das Klassifizierungssystem von St. Emilion eine Art unendliche Geschichte ist. Wer diese Zeilen liest, hat die verschiedenen Episoden dieses Trauerspiels wahrscheinlich verfolgt, aber wir wollen es nur schnell zusammenzufassen, falls dies nicht der Fall ist:

Nach dem großen Erfolg der Klassifizierungssysteme in Bordeaux (man denke Sie an Medoc 1855) begann St. Emilion eine eigene im Jahr 1955. Sie unterscheidet sich von den anderen, da die Liste alle zehn Jahre neu bewertet und aktualisiert wird, im Gegensatz zum Beispiel zur Medoc-Klassifikation, die sich kaum Änderungen erfagren hat. Das schafft offensichtlich einen fruchtbaren Boden für Gezänk, Betrug, Manipulation und Ränkespiele.

Und genau das ist seit einiger Zeit so, vor allem als vor zehn Jahren zum ersten Mal seit der ursprünglichen Klassifizierung zwei Neuzugänge in der obersten Stufe aufgenommen wurden: Chateau Angelus und Pavie schlossen auf zu den ursprünglichen beiden Premier Grand Cru Classé A, Cheval Blanc und Chateau Ausone.

Diese beiden hingegen kündigten dann im vergangenen Jahr an, nicht mehr teilzunehmen und die Wertung zu verlassen. Dahingegen wieder wurde einer der Besitzer der beiden neu gekrönten Chateuax, Hubert de Boüard of Angelus, für seine Rolle bei der Saint-Emilion-Klassifizierung 2012 der „rechtswidrigen Voreingenommenheit“ für schuldig befunden, da er im Ausschuss saß, der die Entscheidung getroffen hat, sein Chateau in die oberste Kategorie zu befördern. Schließlich beschloss Angelus dann, sich auch aus der Klassifizierung zurückzuziehen mit den Worten, dass „die Saint-Emilion-Klassifizierung einst eine Quelle des Fortschritts gewesen sei, aber zu einem Vehikel für Antagonismus und Instabilität geworden ist“. Das brachte die Geschichte auf einen neuen Höhepunkt oder auch einen perfekten Cliffhanger, wenn Sie daran denken, es in eine Netflix-Serie zu verwandeln.

Falstaff hat nun versucht, mit Leuten aus der Branche zu sprechen, aber nicht wirklich überraschend wurden die meisten Kommentare aus den anderen Chateaux mit der Bitte gemacht, nicht namentlich genannt zu werden. „Zynisch“ ist jedenfalls der Begriff, der oft verwendet wurde, um Angelus‘ Entscheidung zu beschreiben, sich von seiner Verantwortung freizusprechen, vor allem wenn man bedenkt, dass das Chateau zumindest indirekt zu den Turbulenzen beigetragen hat, in denen sich St. Emilion nun befindet.

Zwar wurde auch die Vorverurteilung von De Boüard kritisiert, aber der Rückzug aus dem Verfahren brachte ihm viel Tadel ein. Zwar meist inoffiziell und hinter verschlossenen Türen, aber Pauline Vauthier von Château Ausone (eine der beiden, die von Anfang an in der obersten Liga waren) erklärte, dass sie auch wenn sie die Entscheidungen ihrer Kollegen im Allgemeinen nicht kommentiere, wies sie jedoch darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen der Entscheidung von Angelus und ihrer eigenen gibt: Während Ausone nicht einmal für das Klassifizierungsverfahren 2022 kandidierte, zog Angelus seine Kandidatur während des laufenden Verfahrens zurück. Nun gut.

Von größerer Bedeutung ist aber der Gesamtschaden, der dem System selbst zugefügt wird. François Mitjavile von Château Tertre Rôteboeuf, das sich selbst nie um die Klassifizierung beworben hat, dessen Wein aber immer noch zu den teuersten der Appellation zählt, wies darauf hin, dass „die aktuelle Situation sehr bedauerlich ist, weil die Saint-Emilion-Klassifizierung für unsere Appellation nützlich ist. Was jetzt gebraucht wird, ist, dass diejenigen, die über die Einstufung entscheiden, anfangen, kohärent handeln, damit die Einstufung auch in Zukunft respektiert wird.“

Angesichts des Erfolges von Château Tertre Rôteboeuf außerhalb des Klassifikationssystems und der diversen Streitigkeiten fragen sich vor allem dieVertreter des Handels, ob die Klassifikation nicht ganz aufgeben werden sollte, oder wie es Michael Grimm von der Bacchus-Vinothek in Rottweil/Deutschland formuliert: „In Pomerol gibt es keine Klassifizierung und jeder Weinliebhaber kann einen Lafleur, Trotanoy oder La Fleur Petrus von einem Château Taillefer unterscheiden“.

 

Rauch im Wein

Der Wine Industry Advisor brachte uns diese Woche die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema Rauchfehler im Wein. Der Artikel folgt auf eine Präsentation von Tom Collins, dem Leiter der smoke research efforts an der Washington State University, und einem Update seiner mehrjährigen Forschung zu den Auswirkungen von Rauch auf Trauben und Wein, der aus Trauben hergestellt wird, die Rauch ausgesetzt sind. Collins betonte, dass die Ergebnisse vorläufig seien und die endgültigen Schlussfolgerungen auf die Veröffentlichung in einer Reihe von wissenschaftlichen Zeitschriften warteten, sprach jedoch über Experimente, die sich auf die Wirksamkeit von Barrieresprays und das Sensornetzwerk konzentrieren, das in den geografischen Weinregionen des Bundesstaates Washington geschaffen wird.

Ich möchte die genauen Ergebnisse nicht vorwegnehmen und stattdessen auf den vollständigen Artikel verweisen. Dennoch ist es interessant zu sehen, wie weit Züchter gehen müssen, um ihre Ernte vor den Auswirkungen des Feuers und Rauchs zu schützen bzw. zu retten. Um es aber etwas simplifiziert zusammenzufassen, sei erklärt das die Trauben vor der Belastung durch den vorüberziehenden Rauch mit verschiedenen Anwendungen besprüht und danach gereinigt werden müssen, um die schädigende Wirkung zu reduzieren. Selbstverständlich ist es nicht ganz so simpel und der Teufel steckt natürlich im Detail und alles Weitere wie gesagt im Artikel und den Forschungsergebnissen der Washington State University.

 

Weintrinken gegen Covid

Und mit einer positiven Nachricht zu schließen, hier ist eine Nachricht von der anderen Seite des Ärmelkanals: Eine umfangreiche britische Studie zeigt, dass ein paar Gläser Wein das Risiko, sich mit Covid zu infizieren, verringern könnten.

Eine Studie, die diesen Monat in der akademischen Veröffentlichung Frontiers of Nutrition veröffentlicht wurde, testete 473.957 Personen in Großbritannien, die Teil einer medizinischen Langzeitstudie namens UK Biobank waren. Es besteht aus Freiwilligen, die es der NHS des Vereinigten Königreichs ermöglichen sollen, jeden Aspekt ihrer Gesundheit zu verfolgen, wenn sie älter werden, und die eben zu jenem interessanten Ergebnis gekommen waren, dass Weintrinken jeder Art (die Studie vermischt Champagner mit Weißwein, aber das sollte nicht weiter stören) übrigens im Gegensatz diesen angenehmen Nebeneffekt habe.

Na, sind das nicht gute Nachrichten für Weinliebhaber?!?

 

 

 

Und damit wären wir am Ende für diese Woche angekommen, aber natürlich freue ich mich immer, von anderen interessanten Geschichten zu lesen, über Wein zu quatschen und zu hören, wer mein nächster Gast im Podcast sein sollte. Also einfach ein paar Zeilen schicken oder mich auf Twitter kontaktieren. Und wer gerne immer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich unbedingt für den JollyCellarMaster Newsletter anmelden.

 

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