In jedem Ende liegt ein neuer Anfang

Die erste Ausgabe unserer wöchentlichen Zusammenfassung im neuen Jahr ist gleichzeitig in gewisser Weise auch die letzte Ausgabe des Jahres 2021: Da der Jahreswechsel mitten in unsere News-Woche fällt, geht es sowohl um die letzten Nachrichten des vergangenen Jahres (es passiert aktuell ziemlich wenig, wie es scheint), als auch als Zusammenfassung der wichtigsten Themen des vergangenen Jahres. Sozusagen um einen Schlussstrich zu ziehen, auch wenn die Trends des letzten Jahres (und der vorherigen) uns weiter begleiten werden, wie wir weiter unten sehen werden. Vor diesem Hintergrund ist hier der neueste JollyCellarMaster Weekly:

 

 

Weinbergpreise, Die Rückkehr des Eisweins, und die Drei Großen C‘s

 

Nach einer wohlverdienten Pause über Weihnachten und Silvester, in der ich im Hinblick auf die erste Prüfung des Wine Diplomas mich vornehmlich (mit bescheidenem Erfolg) mit Weinbau und Önologie auseinandergesetzt habe, sind wir zurück mit den wichtigsten Entwicklungen in der Weinwelt der letzten Woche (oder Wochen in der vorliegenden Ausgabe). Und damit soll es dann auch losgehen…

 

Gefrorener Zucker

 

Es war ein schwieriges Jahr für Weinproduzenten auf der ganzen Welt, da die Auswirkungen des Klimawandels und extremer Wetterereignisse die Ernten auf der ganzen Welt betroffen haben. Andrew Jefford von Decanter ging sogar so weit zu sagen, dass „2021 das Jahr des Elends war“.

Zum Thema globale Erwärmung und ihre Folgen kommen wir weiter unten, aber eine Folge der steigenden Temperaturen ist zum Beispiel der starke Rückgang der Eisweinproduktion in meiner deutschen Heimat.

Für die Herstellung von Eiswein müssen die Trauben am Weinstock bleiben, bis die Temperaturen unter -7° Celsius sinken. Erst dann können sie geerntet werden, um den Wein zu produzieren, der das prestigeträchtige deutsche Prädikat Eiswein erhält. Da das Wasser in den Trauben gefriert, werden der Zucker und andere Elemente konzentriert: die gefrorenen Trauben mit dem konzentrierten Saft werden gepresst, während die Eiskristalle in der Presse verbleiben. Es ist ein riskantes Unterfangen, da solche kalten Temperaturen natürlich erst spät im Jahr auftreten. Die Trauben werden der erhöhten Gefahr ausgesetzt, im Weinberg zu verrotten, von Tieren gefressen zu werden oder schlicht und einfach vom Rebstock zu fallen.

Es ist auch wirtschaftlich ein Wagnis, da die Erträge auf 500 Liter pro Hektar sinken, was nur 5-10% des üblichen Ertrags entspricht. Hinzu kommen die meist unwirtlichen Erntebedingungen, da die Trauben bei doch recht kaltem Wetter manuell geerntet werden müssen (siehe oben). Das Risiko lohnt sich jedoch, denn das Endergebnis ist oft ein köstlicher Wein mit viel natürlichem Zucker und Säure, besonders wenn er aus Riesling hergestellt wird.

Aufgrund der veränderten Wetterbedingungen in den letzten Jahren wurde es in den deutschen Regionen, die einst traditionelle Produzenten solcher Delikatessen waren, immer schwieriger, die richtigen Bedingungen für die Ernte von Eiswein vorzufinden. 2019 war der erste Jahrgang, der laut Deutschem Weininstitut (DWI) keinen deutschen Eiswein hervorbrachte. Die Bedingungen waren seit mehreren Jahren alles andere als perfekt, aber einige Produzenten gingen das Risiko ein. So gelang es 2017 beispielsweise nur sieben Produzenten, in den 13 Weinregionen des ganzen Landes Eiswein zu ernten.

Dieser Jahrgang könnte anders sein, da die Temperaturen pünktlich zu Weihnachten gesunken sind (es hat am Weihnachtstag tatsächlich geschneit, als ich nach Hause fuhr, aber wir haben die Reise sicher überstanden – danke der Nachfrage). Ab dem 21. Dezember begannen die Weingüter der Nahe bei Temperaturen von bis zu -8,5 °C mit der Ernte der gefrorenen Trauben.

Um eine Vorstellung zu vermitteln, worüber wir hier sprechen: Martin Korrell vom gleichnamigen Weingut in Bosenheim bezifferte das Resultat mit 142 Grad Oechsle und 9,8 Gramm Säure pro Liter als nahezu perfekte Traubenbedingungen für Eiswein.

Das war aber (hoffentlich) erst der Anfang: Im wichtigsten Weinbauland Rheinland-Pfalz meldeten 152 Betriebe, auf insgesamt 107 Hektar noch Trauben für die mögliche Eisweinernte am Rebstock zu haben. Auch Produzenten in Franken berichteten von perfekten Bedingungen für Eiswein. Immerhin produziert die Region seit 1794 diese Raritäten, wobei die Aussichten, diese Tradition angesichts der klimatischen Entwicklung fortführen zu können, eher bescheiden sind.

 

Der Preis eines Weinbergs

 

Wer noch keinen hat, jetzt ist die Zeit, sich einen Weinberg zu kaufen! Zumindest, wenn man in England kaufen möchte und Ian Kellett, dem Besitzer von Hambledon Vineyard, glaubt. Er sagte gegenüber The Drinks Business, dass „der Preis für Land in England im Moment kaum billiger sein könnte. Der durchschnittliche Preis in Großbritannien betrage 12.000 bis 15.000 Pfund pro Acre(entspricht etwa 0,4 ha), während in der Champagne der Preis für einen Hektar Land zwischen 800.000 und 2,2 Millionen Euro liege.

Nun, so gesehen klingt es wirklich wie ein Schnäppchen, oder? Ich hatte zwar nicht vor, in nächster Zeit in der Champagne zu kaufen, aber irgendwie ist ess trotzdem interessant, zu wissen, was Land so in den verschiedenen Teilen der Welt kostet. Nehmen wir Südtirol, den Ort, den ich aktuell zu Hause nenne: Der durchschnittliche Hektar DOC-Weinberg in den drei Unterregionen Südtirols Kalterer See, Eisacktal und Vinschgau betrug im Jahr 2020 laut I Numeri Del Vino € 565.000. Der tatsächliche Preis ist vermutlich aber deutlich höher: vor nicht allzu langer Zeit fand ich beispielsweisein den hiesigen Annoncen ein Stück Weinberg am Kalterer See für über 2 Mio. €/ha gesehen habe – wohlgemerkt mit Seeblick.

Barolo DOCG hat einen durchschnittlichen Wert von 850.000 €, während Montalcino weniger als eine halbe Million kostet, für einen Hektar Valdobbiadene DOCG bräuchte man 400 Riesen, Bolgheri hingegen 300 und Chianti Classico DOCG würde nur 150.000 € kosten.

Englische Weinberge sind im Vergleich also wirklich günstig, insbesondere wenn man bedenkt, dass Burgund Grand Cru bei etwa 3 Millionen Euro beginnt und das Top-End bei etwa Euro liegt 14 Mio. Sollten man sich also einen Weinberg kaufen? Nun, das liegt bei jedem selbst, aber wie ging noch gleich das alte Sprichwort: Wie macht man am schnellsten ein kleines Vermögen? Beginnen Sie mit einem großen und eröffnen Sie ein Weingut…

 

Das Große Ganze

 

And that’s it for the latest news of the past week. Looking back at the year that is quickly coming to an end, it was dominated by the three C’s. While the first one

 

Soviel zu den aktuellen Nachrichten und Zeit, sich nochmals die zentralen Themen des vergangenen Jahres anzuschauen, die man als die drei C’s zusammenfassen könnte.

Während das erste C für Covid steht und hoffentlich keine dauerhafte Situation sein wird (obwohl wir dies schon seit einiger Zeit sagen), hat die Pandemie unser Leben in vielerlei Hinsicht nachhaltig verändert.  So hat sich zum Beispiel die Art und Weise, wie wir kommunizieren, grundlegend verändert. So weiß ich nicht, wie viele Stunden ich im letzten Jahr mit Videoanrufen verbracht habe, aber es waren nicht wenige. Gleichzeitig hat sich auch den Weinsektor weiter in das digitale Zeitalter wagen müssen als bisher:  neben den zahlreichen virtuellen Verkostungen braucht man sich nur die Websites der Weingüter anzuschauen. Wo sich viele auf das „Abenteuer“ Online-Shops lange nicht einlassen wollten, gibt es heute nur noch wenige Weingüter ohne digitalen Vetriebskanal.

Die anderen beiden großen C stehen für Climate Change, auf Deutsch Klimawandel und der wird nicht so bald verschwinden. Als Ergebnis der jüngsten Klimakonferenz in Glasgow haben die teilnehmenden Nationen eine Reihe von Entscheidungen getroffen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. 2021 wird allerdings als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Ziele einer anderen Klimakonferenz, nämlich des Parisabkommes von 2015 bereits nicht mehr zu halten sind und durch die fortschreitende Klimaerwärmung übertroffen. Es ist nur einer von mehreren negativen Klimameilensteinen, die 2021 erreicht wurden, aber die gute Nachricht ist, dass es noch nicht zu spät ist, um zu handeln. Ist es jedoch realistisch zu glauben, dass sich der Verbrauch von Energie und Ressourcen deutlich verändern wird? Ich möchte nicht fatalistisch klingen, im Gegenteil, ich denke, wir müssen alles tun, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Betrachte ich aber nur die Schauermeldungen der Weinwelt aus 2021, die direkt oder indirekt aus dem Klimawandel resultieren – die Überschwemmungen des Ahrtals und anderer Regionen; die verheerenden Fröste im Burgund und anderswo in Frankreich; oder Waldbrände auf der ganzen Welt, um nur einige zu nennen – frage ich mich, was passieren muss, damit wir verstehen, dass wir keine Zeit zu verlieren haben?

Jeffords Feststellung, dass das vergangene Jahr für die Weinwelt ein Jahr des Elends oder Jammers gewesen sei, sollte daher nicht als eine zufällige Verkettung unglücklicher Ereignisse gesehen werden, sondern als das erste Jahr in einer Reihe von vermutlich vielen Jahren, in denen wir mit ähnlichen Katastrophen zu kämpfen haben werden, und die für uns das New Normal darstellen könnten.

 

 

Das wäre es dann auch schon für diese Woche, aber natürlich freue ich mich immer, von anderen interessanten Geschichten zu lesen, über Wein zu quatschen und zu hören, wer mein nächster Gast im Podcast sein sollte. Also einfach ein paar Zeilen schicken oder mich auf Twitter kontaktieren. Und wer gerne immer auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte sich unbedingt für den JollyCellarMaster Newsletter anmelden.

 

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